Graphit-Schmierstoffe für Umformtechnik und Hochtemperaturprozesse
Graphit ist einer der ältesten und bewährtesten Feststoffschmierstoffe für industrielle Hochtemperaturanwendungen. Seine lamelläre Schichtstruktur, thermische Stabilität und gute Wärmeleitfähigkeit machen ihn zum bevorzugten Wirkstoff in vielen Schmierstoffen für Strangpressen, Warmumformung und Gießereiprozesse.
Eigenschaften von Graphit als Schmierstoff
Natürlicher und synthetischer Graphit besteht aus parallel angeordneten Graphenschichten, die durch schwache van-der-Waals-Kräfte zusammengehalten werden. Unter Scherbelastung gleiten diese Schichten leicht aneinander ab – das ist die Grundlage der Schmierwirkung. Die Reibungskoeffizienten von Graphit sinken mit steigender Temperatur, was Graphit besonders für Hochtemperaturanwendungen geeignet macht.
Graphit ist bis etwa 450 °C in oxidierender Luft stabil und bis über 3000 °C in inerter Atmosphäre einsetzbar. Es leitet Wärme gut, verteilt diese also am Kontakt gleichmäßig. Die elektrische Leitfähigkeit ist ein bekanntes Merkmal, das bei manchen Anwendungen (z. B. in der Elektrotechnik) zu berücksichtigen ist.
Reibwertreduktion
Graphitpartikel bilden zwischen Werkzeug und Werkstück einen dünnen, geschlossenen Trennfilm. Dieser reduziert den Reibwert deutlich und senkt die notwendige Umformkraft sowie den Werkzeugverschleiß.
Temperaturbeständigkeit
Im Gegensatz zu organischen Schmierstoffen behält Graphit seine Schmierwirkung bei hohen Temperaturen – auch dort, wo konventionelle Öle oder Wachse sich bereits zersetzen. Dies macht ihn zum Standardwirkstoff in Hochtemperatur-Schmierpasten.
Wärmeleitfähigkeit
Graphithaltige Beschichtungen leiten Wärme gut und können zur gezielten Steuerung des Erstarrungsverhaltens in Gießprozessen eingesetzt werden. Je nach Schichtdicke lässt sich die Wärmeabgabe an die Kokille regulieren.
Kombination mit anderen Schmierstoffsystemen
Graphit wird in der industriellen Praxis selten allein eingesetzt. Typischerweise kombiniert man ihn mit Trägerstoffen – Wasser, Öl, Wachs oder Harzen – um die Dosierung, Haftung und Verarbeitbarkeit zu optimieren. Die Partikelgröße und Graphitkonzentration beeinflussen dabei direkt die Schmierwirkung und die Rückstandsbildung nach dem Prozess.
In bestimmten Anwendungen, etwa beim Kupferrohr-Strangpressen, wird Graphit ausdrücklich nicht eingesetzt, weil Graphitrückstände auf Kupferoberflächen zu Glühflecken führen und die Lötfähigkeit beeinträchtigen. Für solche Anwendungen bietet PROMET graphitfreie Alternativen wie LUPRIT® SN.
LUPRIT® SB und LUPRIT® WAX als Beispiele
LUPRIT® SB enthält Graphit als Wirkkomponente und ist für den Einsatz bei höheren Temperaturen beim Strangpressen von Kupfer und Kupferlegierungen ausgelegt. Der Graphitanteil unterstützt die Schmierwirkung auch bei extremen Pressdrücken und langen Presszeiten.
Die LUPRIT® WAX Serie umfasst unter anderem Graphitwachse (GRAPH WAX) für Hochtemperatur- und Pyrolyseanwendungen. Diese Produkte vereinen die Gleiteigenschaften von Graphit mit den Vorteilen synthetischer Wachsträger: hohe Temperaturbeständigkeit bei kontrolliertem Rückstandsverhalten.
Weiterführende Informationen zu graphitbasierten Schmierstoffen finden Sie auf der Seite Graphit-Schmierstoffe.
- Graphithaltige Schmierstoffe für Strangpressen, Schmieden und Ziehen
- Angepasste Graphitkonzentration und Partikelgröße je nach Anwendung
- Kombinationen mit Wachs, Wasser oder Öl als Träger
- Graphitfreie Alternativen für Kupferrohr und Edelmetallverarbeitung verfügbar